dschickarchiv





Unheimliches Kontemplationsbild – 27.12.2009

Nichts ist unheimlicher, als unheimlichen Menschen über die Schulter zu schauen.






'Tim Burton' im MoMA – 26.12.2009

Das New Yorker Museum of Modern Art widmet Regisseur Tim Burton bis zum 26. April 2010 eine umfangreiche Ausstellung mit mehr als 700, teilweise nie zuvor gezeigten Exponaten, anhand derer Burtons Entwicklung vom 'anders' fühlenden Kind (siehe Blogeintrag vom  15.10.2009) zum mythenschaffenden Meister sichtbar wird. Die Ausstellung umfasst Zeichnungen, Gemälde, Storyboards, Filmbeispiele, Puppen, Marionetten und Kostüme aus mehr als 27 Jahren. Wer die Möglichkeit hat, UNBEDINGT ANSEHEN. (Tim Burton spielt übrigens neben Horace Walpole und Luisa Casati die Hauptrolle in meinem Buch.)




Tim Burton. (American, b. 1958)
Untitled (The World of Stainboy).
2000.
Pen and ink, watercolor wash and colored pencil on paper
Overall: 9 x 12" (22.9 x 30.5 cm).
Private collection.
© 2009 Tim Burton






Tim Burton. (American, b. 1958)
Untitled (Black Cauldron). 1983.
Pen and ink, marker, and watercolor wash on paper
11 x 15" (27.9 x 38.1 cm).
Private Collection.
© 2009 Tim Burton






Tim Burton. (American, b. 1958)
Untitled (Ramone).
1980-1990.
Pen and ink, marker and colored pencil on paper
Overall: 11 x 9" (27.9 x 22.9 cm).
Private collection.
© 2009 Tim Burton






Tim Burton. (American, b. 1958)
Untitled (Romeo and Juliet). 1981–1984.
Pen and ink, marker, and colored pencil on paper, 12 x 16" (30.5 x 40.6 cm).
Private Collection.
© 2009 Tim Burton






Tim Burton. (American, b. 1958)
Untitled (Edward Scissorhands). 1990.
Pen and ink, and pencil on paper, 14 1/4 x 9" (36.2 x 22.9 cm).
Private Collection.
Edward Scissorhands
© Twentieth Century Fox
© 2009 Tim Burton



MoMA is located in midtown Manhattan, New York City, at 11 West Fifty-third Street, between Fifth and Sixth avenues.


Sunday 10:30 a.m.–5:30 p.m.
Monday 10:30 a.m.–5:30 p.m.
Tuesday closed
(except December 29)
Wednesday 10:30 a.m.–5:30 p.m.
Thursday 10:30 a.m.–5:30 p.m.
(Open until 8:45 p.m. on the first Thursday of each month

Wer noch etwas Weihnachtsgeld übrig hat, kann sich den MoMa-Katalog zur Ausstellung kaufen, wer noch etwas mehr Weihnachtsgeld übrig hat, das wunderbare Buch The Art of Tim Burton und wer noch eine Menge Weihnachtsgeld übrig hat, die signierte Ausgabe mit beigelegter, ebenfalls hand- signierter Lithografie...




Unheimliche Papstattentäter – 25.12.2009


Immer sind es "offensichtlich geistig verwirrte" oder zumindest "psychisch labile" Personen, die an hohen kirchlichen Feiertagen auf die Päpste losgehen – das popige 'Pax vobis' scheint genau wie das 'Urbi et orbi' Verrückte zum Äußersten zu treiben. Oder wird man verrückt, WEIL man einen Papst attackiert? Schließlich legt man sich da face to face mit Gott(es Stellvertreter auf Erden) an! Bin Laden bezeichnet niemand als geistesgestört, sein Problem liegt 'vor dem Gesetz', ist die falsche Religion. "Wir sind Papst" ist glücklicherweise am heiligen Leibe unversehrt geblieben, symbolisch aber ist der Anschlag geglückt: "Benedikt verlor bei dem Angriff seine Mitra und seinen Bischofsstab", berichtet Focus. Kardinal Roger Etchegaray brach sich in den Wirren der Attacke den Schenkel und wir wissen, was das für einen 87-Jährigen bedeutet. In der Weihnachtspredigt Benedikts ging es übrigens um das fehlende Interesse der Menschen, Gott zu be- gegnen. Die offensichtlich geistig verwirrte Frau trifft dieser Vorwurf nicht. Eigenen Angaben zufolge wollte sie den Papst umarmen, also Kuscheln mit Gott: SIE WILL NUR SPIELEN, VERRÜCKT! Passend für eine unheimliche Gestalt (siehe 'Wenn die Gondeln Trauer tragen', 'The Village'), wählte die Papstverehrerin für den größten Auftritt ihres Lebens ein rotes Gewand mit Kapuze.








Uncannily Merry Christmas – 24.12.2009




(c) timburton.com


Tim-Burton-Weihnachtsgruß auf facebook verschicken



Unheimliches Star-Sterben – 23.12.2009


Was ist eigentlich in Hollywood los? Die Stars sterben neuerdings wieder reihenweise mit Anfang 30. Todesursache septischer Schock nach erster Botoxspritze? Oder Tod als ultimative Anti- Aging-Kur?

Brittany Murphy †, Foto: Rob & Jules
(von mir bearbeitet: C. F.), Quelle: Wikipedia


Unheimliches Wimmelbild I – 23.11.2009




Quelle: titoville.com



Peter York schreibt in 'Dictator Style' über den Schäferhund auf dem Bild, dass dieser sich wohl gerade frage, wann er seinen Termin beim Tierpräparator habe.




Leseempfehlung – E. T. A. Hoffmann 'Der goldene Topf' – 29.11.09


Sigmund Freuds Musterbeispiel einer unheimlichen Erzählung, von Edgar Allan Poe als "deutscher Pseudohorror" abgetan – man urteile selbst.




Foto: alxpin, von mir bearbeitet: C. F., Quelle: iStockphoto



E. T. A. Hoffmann: 'Der goldene Topf' (1819)





Filmempfehlung – Tod Brownings 'Dracula' – 28.11.2009


Bram Stoker hat 'Dracula' als prototypischen Vampir geschaffen, Tod Browning 'Bela Lugosi' als ebensolchen Dracula. – "I don't drink – wine." (Dracula)
 



Tod Browning: 'Dracula', USA 1931
[Film mit englischen Zwischentiteln in voller Länge]




Roboter – 'Pain Girl' – 27.11.2009


Simroid aka Pain Girl (2009) ist gekommen, um uns zu erlösen, für uns zu leiden, auf dass wir bald weniger leiden müssen. Mit natürlicher Robotercontenance legt sie sich für uns auf den Zahnarztstuhl, damit an ihr das blutige Handwerk geübt werden kann: Bohren, sägen, schmerz-verzerrte Gesichter ignorieren, Schreie ertragen – so Pain Girls offizielle Mission. Doch Pain Girl kann, tut und ist viel mehr als ein Patientinnenroboter [– warum weiblich? Männer haben viel häufiger Angst vorm Zahnarzt]: Sie ist unsere Rächerin und sorgt für Gerechtigkeit, indem sie mit ihrem Serienkillerinnenminenspiel unseren Zahnarzt das Fürchten lernt. Pain Girl hat ihr Diplom bei Dr. H. H. Holmes in Uncanny Valley gemacht.










Doppelgänger – 'Come to Daddy'/'Frozen' – 26.11.2009

'Thriller' (1983) von John Landis ist, außer man liest das Video als Prophezeiung in Sachen Michael Jackson, weder unheimlich noch Horror, es zitiert lediglich Horrormotive, ohne Schrecken hervorrufen zu wollen. 'Come to Daddy' (1997) hingegen, Chris Cunninghams Video zum gleichna- migen Aphex-Twin-Track ist zutiefst unheimlich, nicht weil es das Doppelgängermotiv benutzt, sondern weil es das Unheimliche auf der Ebene der Darstellung inszeniert: Sehgewohnheiten unterläuft, desorientiert, verunsichert, befremdet, verstört. Es verwundert nicht, dass Madonna Louise 'Das will ich auch haben'-Ciccone ein Jahr später ebenfalls ein unheimliches Cunningham-Video in Auftrag gibt.




 Jesus kann ich besser als Jesus, Foto: Oscar Rohena,
von mir bearbeitet, C. F., Quelle: Wikipedia




Und da Cunningham ein brillanter Regisseur ist, konnte 'Frozen' (1997) natürlich nur ein gekonnt unheimliches Video werden, allerdings stellt es primär – und das ist die Ironie der Geschichte und Cunninghams  – die Unheimlichkeit der Madonna(s) als depersonalisierende Image- und Doppel- gängermaschine dar: es der Avantgarde nachmachen und den Massen vorreiten. 



Unheimliche Paare – Oskar und 'Alma' – 25.11.2009


Oskar Kokoschka, ja genau: der, der das Kanzlerporträt von Konrad Adenauer gemalt hat, war wie viele andere berühmte Zeitgenossen mal mit Alma 'Ich hatte sie alle'-Mahler-Werfel zusammen. Irgendwann hatte Alma genug von Oskar und schickte ihn 1914 in den Krieg, also zum Teufel – eine sehr wirkungsvolle Art des Schlussmachens. Almas Todesurteil überlebte Kokoschka zwar, doch nur um sie zuhause in Wien frisch verheiratet mit Walter Gopius vorzufinden. Seiner unerfüllten Leidenschaft nicht Herr werdend, bestellte Kokoschka 1918 bei der Puppenmacherin Hermine Moos eine anatomisch korrekte Alma-Puppe.




Die Alma-Puppe mit ihrer Macherin




* *
*



Mit Alma II lief es ebenfalls nicht so gut: Oskar blieb (psycho)sexuell unbefriedigt, woraufhin er sich von der Puppe trennte, ihr aber immerhin einen Job als Model gab. Als er schließlich glaubte, mit 'Alma' fertig zu sein, zerstörte er sie: "Endlich, nachdem ich sie hundertmal gezeichnet und gemalt hatte, habe ich mich entschlossen, sie zu vernichten. Die Puppe hatte mir die Leidenschaft gänzlich ausgetrieben. Ich machte also ein großes Champagner-Fest mit Kammermusik, während dessen mein Kammermädchen Hulda die Puppe mit all ihren schönen Kleidern zum letzten Mal vor- führte. Als der Morgen graute - ich war wie alle anderen sehr betrunken - habe ich im Garten der Puppe den Kopf abgehackt und eine Flasche Rotwein darüber zerschlagen. Am nächsten Tag schauten ein paar Polizisten zufällig durch das Gartentor, erblickten wie sie meinten den blut überströmten Körper einer nackten Frau, und stürzten in der Verdächtigung eines Liebesmordes ins Haus hinein. Genau genommen war es das, denn an jenem Abend habe ich die Alma ermordet." (Oskar Kokoschka) – Man sollte seine Ex-Freundeim Auge behalten.



Unheimliche Haustiere II – Axolotl – 24.11.2009


Als ich vor einigen Wochen das erste Mal ein Bild von einem Axolotl sah, war ich bezaubert: eine wahr gewordene Kindchenschema-Pokemon-Fantasie, cuter than life, das niedlichste Tier überhaupt – mein zukünftiges Haustier? "Der Axolotl (Ambystoma mexicanum) ist ein nachtaktiver mexikanischer Schwanzlurch aus der Familie der Querzahnmolche (Ambystomatidae), der gewöhnlich nur in neotener, larvenähnlicher Form auftritt. Sein Name stammt aus der aztekischen Sprache Nahuatl, nämlich von Atl (Wasser) und Xolotl (Aztekengott). Dies bedeutet in etwa Wasserspiel oder Wassermonster oder Wasserpuppe" (Quelle: Wikipedia). Doch je länger ich mich mit dem Axolotl beschäftigte, desto mulmiger wurde es mir – Wie war das? – Ein ephebenhaftes Wesen, das durch einen genetischen Systemfehler (angeborene Schilddrüsenunterfunktion) für immer Kind bleibt... Ganz aus war es, als ich ein Foto von künstlich erwachsen gemachten Axolotln, so genannten ‚Landgängern’ fand. – Eine versehentlich ins Wasser geworfene Thyroxintablette oder ein Angehöriger on medication spuckt in einem hybriden Moment ins Aquarium ... und am nächsten Morgen geht ES an Land. Seither versuche ich beim Einschlafen nicht an Axolotln zu denken – so süß sie auch aussehen.









Lebendig begraben – 'Locked In' – 23.11.2009


In den letzten Tagen sind hier im Blog sowohl die Angst, lebendig begraben zu werden – Taphephobie – als auch unheimliche Krankenhäuser ('Hospital der Geister') thematisiert worden. Dass man beide Motive auch im 21. Jahrhundert nicht zu den Akten des Unheimlichen legen sollte, zeigt folgender Fall: Der heute 46-jährige Belgier Rom Houben hatte 1983 einen Autounfall. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert und als Wachkomapatient diagnostiziert, tatsächlich aber war er bei vollem Bewusstsein. Mehr als 20 Jahre lang lag er lebendig begraben in seinem Krankenzimmer, außerstande, sich zu bewegen oder zu artikulieren: "Ich habe geschrien, aber es war nichts zu hören", – so Houben gegenüber dem 'Spiegel'. Sein einziger Ausweg, um psychisch zu überleben: "Ich habe mich weggeträumt." Auferstanden von den Toten: Bei einer Untersuchung in der Universität Lüttich im Jahre 2006 wurde durch eine Tomografie festgestellt, dass Rom Houben lediglich gelähmt ist, sein Gehirn aber weitgehend normal funktioniert. Houben leidet am 'Locked In Syndrom'. Heute kann er mittels eines Computers – die rechte Hand ist nicht ganz gelähmt – mit seiner Umwelt kommunizieren. Dem Neurologen Steven Laureys zufolge haben 40% aller vermeintlich nur noch vegetativen Komapatienten Bewusstseinsreste. Dostoevskij hatte immer einen Zettel auf dem Nachttisch liegen: 'Sollte ich in lethargischen Schlaf fallen, begrabe man mich nicht vor ... Tagen!'. Heute empfehlen wir: 'Sollte ich scheinbar ins Wachkoma gefallen sein, bitte immer eine Tomografie durchführen.' Brrrrh.






Charlotte Perkins-Gilman: 'The Yellow Wallpaper' – 22.11.2009


Unbedingt lesen: The Yellow Wallpaper von 1899 ist die erste feministische Gothic Tale, die bis heute nichts von ihrer Unheimlichkeit eingebüßt hat. Für alle, die noch nicht wissen, wie es ist, zum Interieur zu gehören. – Ich liebe die letzen beiden Sätze!

Charlotte Perkins-Gilman: Die gelbe Tapete, Wien (edition selene), 2005, ISBN-10: 3852662702, ISBN-13: 9783852662701











Lars von Trier: 'Riget' ('Geister') – 21.11.2009


Unbedingt ansehen: Lars von Trier TV-Serie 'Geister' ('Riget') lehrt uns im Fürchten und jeder Menge Gothic-Klamauk das Mitleid – das Unheimliche verträgt, wie wir sehen, große Mengen Unsinn. 'Twin Peaks' plus 'Emergency Room' plus Dogma95. Damit kann man sich ein ganzes Wochenende prima amüsieren. Und Udo Kier ist natürlich sehr, sehr böse. Staffel 2 kann man sich auch ansehen, ist aber nicht mehr ganz so gut. – Achtung: Nicht verwechseln mit 'Kingdom Hospital', einem belanglosen Remake von Stephen King.





Ringethospital Kopenhagen, Foto: Henrik Jessen, Quelle: Wikipedia




Die DVD ist unter anderem bei Amazon erhältlich, ASIN: B000RG1G3M. Bitte immer über bildungsspender.de zu amazon.de gehen, dann wird ein Teil des Ver- kaufspreises automatisch an eine Bildungseinrichtung Ihrer Wahl gespendet. dasunheimliche.com spendet an die Freie Integrative Montessorischule Pankow.




Ikonen des Unheimlichen: Schneewittchen – 20.11.2009


Die meisten Grimmschen Märchen vertreten bürgerliche Interessen: Sobald die 'richtige', leibliche Mutter die Kernfamilie verlässt (natürlich nur durch Tod) stehen dem Bösen = der bösen Frau = der bösen Stiefmutter Tür und Tor offen. Die böse Hexe hat sich meinen Vater geschnappt!
Das traute Heim wird unheimlich. 'Schneewittchen' erzählt aber insgeheim noch eine andere unheimliche Geschichte: Sie handelt von der im 18. und 19. Jahrhundert virulenten Angst lebendig begraben zu werden – Taphephobie. Bei Poe lesen wir: "Die Dame wurde in der Familiengruft beigesetzt, und drei Jahre lang blieb diese unberührt. Nach Ablauf dieser Frist wurde sie zur Aufnahme eines Sarkophags  geöffnet; –   aber ach! welch furchtbarer Schlag erwartete den Gatten, der eigenhändig das Tor aufschloss! Als die Türflügel nach außen aufflogen, sank ein weißgekleidetes Etwas ihm klappernd in die Arme. Es war das Totenskelett seines Weibes in dem noch unverwesten Leichenkleid" (aus: 'Lebendig begraben'). Gut, dass Schneewittchens Sarg aus Glas war. Die schöne Leiche im Glas(sarg)display lässt die Menschen nicht los, siehe etwa Martin Kippenbergers Schneewittchensarg, siehe die unverweste Bernadette (Blogeintrag vom 16.11.), siehe die Schneewittchen-Doppelgänger Rudolf Mooshammer und Michael Jackson. So schön, dass sie nicht gestorben sind.







Medienerzählungen des Unheimlichen – Tschernobyl – 19.11.2009


'Tschernobyl' (für US-Amerikaner 'Harrisburg') ist die unheimlichste Geschichte des späten 20. Jahrhunderts, in ihr kulminieren alle Ängste bezüglich menschengemachter, nicht kontrollierbarer Technologien und der zurückschlagenden gepeinigten Natur. Tschernobyl hat Im-Gras-liegen, Milchtrinken und Pilze-essen zu unheimlichen Erlebnissen werden lassen.






Als Soundtrack zu 'Tschernobyl' kann der
Kraftwerk-Song 'Radioactivity' 1986, also 11 Jahre nach Veröffentlichung seinen Uncanny Radius entscheidend erweitern.




 Radioctivityyyyyyyyyyyyyyyyy 
is in the air for you and me. 




2006, zum 20. Jahrestag der Katastrophe machen sich Reporter des Vice-Magazins auf den Weg nach Tschernobyl, um dort 'mutierte Bestien', 'dreiäugige Wölfe' und 'fünfbeinige Bären' zu jagen, blam blam - diesen Journalisten ist nichts zu krass: Den Titel des 'Vice', des bösen Gegenspie- lers, muss man sich schließlich verdienen. Sich als Zuschauer mit auf diese verstrahlte Reise zu begeben, lehrt einen so manches über die Wirkungsmechanismen des Unheimlichen. Es sei nur soviel verraten: 'Vice' lernt das Fürchten. – Vice Films: The Radioactive Beasts of Chernobyl.

 


      
        Homo homini lupus trioculus





Unheimliche Haustiere I – Katze – 18.11.2009

Aufgrund ihres dämonischen Images als Hexenbegleiter und Teufelszöglinge wurden Katzen im westeuropäischen Mittelalter gnadenlos verfolgt, sie wurden Inquisitionsprozessen unterzogen, gefoltert und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Gottesfürchtigen graute es angeblich unwillkür- lich vor ihnen und Tierliebe galt im Falle der Katzen als Gotteslästerung. In Belgien warf man Katzen von Kirchturm herab, in Flandern wurden Katzenjagden veranstaltet, in Deutschland schnitt man Katzen die Ohren ab und in Frankreich mauerte man beim Kirchbau gerne eine schwarze Katze ins Fundament ein, um dann mit dem Gotteshaus symbolisch Satan und das Böse unter sich zu begra- ben. So sind sicher ein paar Ratten mit Pestflöhen mehr am Leben geblieben... Selbst schuld.



Klonkatze CC



Wahre Spukgeschichten – Natascha Kampusch – 17.11.2009


Die unheimlichsten Geschichten erzählen im 21. Jahrhundert die Medien. (Die klassischen künstle-rischen Darstellungen des Unheimlichen hingegen haben sich, wenn man an ihner Idee festhalten möchte, aufs unheimliche Darstellen verlegt.) Eine der unheimlichsten Geschichten der letzten Jahre, die von der Öffentlichkeit begierig aufgesogen wurde – das erste TV-Interview erreichte in Österreich eine Einschaltquote von 80 Prozent –, erzählt von 'Natascha Kampusch':„Man sieht nichts, man hört nichts, man hört nur das eigene Blut rauschen.“ Natascha Kampusch wurde als Zehnjährige auf dem Schulweg entführt und von Nachrichtentechniker (!) Wolfgang Priklopil – für Sprachempfindliche oszilliert der Name schaurig-schön zwischen 'prick' und 'pädophil' – im Keller seines Hauses gefangen gehalten.

"Laut Aussage des Leiters des österreichischen Bundeskriminalamts war sie in einer Montagegrube unter der Garage eines Einfamilienhauses versteckt. Diese war mit einer schalldichten Tresortür verschlossen. Der kleine, fensterlose Raum war 181 Zentimeter breit und vom 50 × 50 Zentimeter großen Eingang an der Schmalseite aus betrachtet linksseitig 278 Zentimeter lang und rechts-seitig 246 Zentimeter lang. Auf der linken Seite stand kurz hinter dem Eingang ein Hochbett, darunter blieb eine 157 Zentimeter hohe Fläche frei; insgesamt war der Raum 237 Zentimeter hoch. Auf der dem Bett gegenüberliegenden Seite stand ein kleiner Schreibtisch, darüber ein kleiner Fernseher. Der Rest dieser Wand war mit Regalen ausgestattet. In der Ecke rechts neben dem Eingang befanden sich ein WC und eine Edelstahlspüle mit zwei Becken als Waschgelegenheit. Der Eingang zu dem Versteck war so gut getarnt, dass er auch bei einer Hausdurchsuchung wahrscheinlich nicht gefunden worden wäre, so die Ermittler." (Quelle: Wikipedia)




Nach 3.096 Tagen in Gefangenschaft, das sind achteinhalb Jahre, konnte Natascha Kampusch am 23. August 2006 aus dem Hause ihres Peinigers fliehen, der sich daraufhin das Leben nahm. Bisher gilt Priklopil als alleiniger Täter, Gerüchte über mögliche Mittäter halten sich aber hartnäckig. Natascha Kampusch hat sich nicht wie die Familie aus Amstetten unter Ausschluss der Öffentlichkeit in psychologische Behandlung begeben, um die Traumata zu bearbeiten, sondern ist bewusst an die Öffentlichkeit getreten: Sie erscheint häufig in Talkshows, hatte sogar für kurze Zeit eine eigene Sendung, 'Natascha Kampusch trifft', und präsentiert sich auf einer Webseite namens 'Nataschas Welt' (was sie in den Kontext von Werbe- und  Imagemaschinen wie Verona Feldbusch-Pooth stellt, die eine Sendung namens 'Veronas Welt' hatte). Kampusch erklärt: "Warum sollte ich als Verbrechensopfer, als Mensch, dem man schon so viel genommen hat, warum sollte ich kleinbeigeben und die Flucht ergreifen?". Sie bleibe in Österreich und werde das Leben leben, "das ich gelebt hätte, wenn mir das alles nicht passiert wäre." (in einem ORF-Interview) Nach eigenen Angaben fällt es Kampusch aber weiterhin schwer, ein normales Leben zu führen, da sie andauernd mit "Verrückten" konfrontiert sei und auch von "einfachen Leuten auf der Straße" (Kampusch) angefeindet werde. Kampuschs Versuch, wenigstens jetzt ein selbstbestimmtes Leben zu führen und ihr Image aktiv mitzugestalten ist ein ebenso verständlicher wie naiver Versuch, denn durch ihre Selbstinszenierung als öffentliche Person hat sie sich in ein neues, taghell erleuchtetes Kellergefängnis eingeschlossen: mit unendlich vielen Priklopil-Doppelgängern, die über ihr Bild verfügen. Gesellschaft und Öffentlichkeit sehen sich zum Verwechseln ähnlich.



Ikonen des Unheimlichen – Bernadette Soubirous – 16.11.2009

Religiöse Menschen sehen die Welt mit anderen Augen, ihre wahrnehmungsbestimmenden Vorurteile unterscheiden sich und sie von Personen, die sich ihrer Selbsteinschätzung nach wahlweise eher auf ihren Kopf (Verstand),  ihren Bauch (Gefühl) oder neuerdings gern auf einen Mix aus beiden verlassen. Manche Forscher vertreten die Annahme, dass Gläubige überhaupt keinen Sinn für das Unheimliche haben, weil ihnen selbst übernatürliche Phänomene wie ganz normale Wunder erscheinen: Gott ist wunderbar. Glaubt man nicht an Gott beziehungsweise versucht sich mal für einen Augenblick aus der Perspektive unserer westlichen, christlich geprägten Kultur herauszuversetzen, dann verwandelt sich Jesus vor unseren Augen in ein Gespenst und Lazarus tritt uns als Zombie entgegen. Die Bibel? Eine Gothic Novel... Unsere katholische Lieblings-Gothic-Ikone ist neben Pater Pio (man achte auf die Augen!) Bernadette Soubirous, die kränkliche Müllerstochter aus Lourdes, der mehrfach die Jungfrau Maria/Mutter Gottes erschienen ist. Es ist uns ein unheimliches Vergnügen, das Leben der Bernadette durch alle Phasen, Genres und Medien hindurch zu verfolgen, denn: She has it all!




Heiliges Schneewittchen






Heilige Geisterfotografie



M. Night Shyamalans: 'The Village' – 15.11.2009


In M. Night Shyamalans Film 'The Village' ('Das Dorf') von 2004 ist Nicole Kidman nicht mit von der Partie, obwohl der Titel so klingt. Der Film spielt in einem isolierten Dorf Ende des 19. Jahrhunderts. Die Dorfbewohner werden von den im Wald lebenden 'Unaussprechlichen' bedroht und natürlich gibt es auch jede Menge schwelendes Unausgesprochenes und Verdrängtes – es geht hier im Blog schließlich um das Unheimliche. Die Story erweist sich letztlich als ein bisschen dünn und von einem reinen unheimlichen Film trennt diesen, dass er am Ende des Rätsels Lösung verrät. Bis dahin aber und ganz besonders bei den Szenen im Wald stirbt man fast vor Angst. Bei mir persönlich genügt ja in lebhafter Erinnerung an Nicolas Roegs 'Don't Look Now'('Wenn die Gondeln Trauer tragen') schon das Sichtbarwerden eines roten Mantels, um mich in Angststarre zu versetzen. – Ich hasse Rot! – Trailer 'The Village'





This color is forbidden. It attracts THEM.





Ueda Akinari: 'Ugetsu monogatari' – 14.11.2009



Unbedingt lesen – deutscher Titel: 'Unter dem Regenmond' – wunderschöne japanische Gothic Tales aus dem 18. Jahrhundert, erzählt im 'alten Ton'. Es gibt verschiedene deutsche Ausgaben, u. a. von dtv und Klett, die man relativ häufig in Antiquariaten finden kann.





 

Unheimliche Immobilien – Haus am Highgate Cemetery – 13.11.2009


Ein Juwel auf dem Immobilienmarkt: das Haus am Londoner Highgate Cemetery. Dass nichts unheimlicher ist als die Moderne mit ihren Opfer-Täter-Binäroppositionen ist hinlänglich bekannt. Was aber erwartet einen dann bitte in einem 'ultramodernen' Haus (Maklerbeschreibung), das mitten in einen Friedhof hinein gebaut wurde, – o. k., eigentlich liegt es am Rand, aber die Grabsteine stehen so dicht an der Terrasse, dass man seine Teetasse auf ihnen abstellen kann.Will hier jemand Gespenster heraufbeschwören? Hat der Bauherr nie 'Poltergeist' gesehen? Nein, das ist ungerecht, denn hier wird nicht auf, sondern neben Gräbern gebaut.



http://search.knightfrank.com/ham070271


2008 hat Richard Elliott, der Bauherr und ehemalige Bewohner, den Vertretern der hochinteres- sierten Designpresse noch gerne seine hübsche, leicht unheimliche Geschichte zum hübschen, leicht unheimlichen Haus erzählt, wie er den ganzen Highgate-Friedhof nach dem Grab seines Großvaters abgesucht habe, um es dann, er hatte bereits resigniert – gruselig, gruselig – direkt vor seinem gerade gekauften, noch nicht über-/umgebauten Haus zu entdecken. Was ist danach passiert? Hat Richard das Fürchten gelernt? Sich auf der Terrasse zum Midnight Tea mit dem Großvater getroffen? Die Begründung für den Verkauf – Finanzprobleme – klingt fadenscheinig. Wer selbst mal eine Nacht oder ein Leben lang auf dem Friedhof schlafen möchte, kann das heimelig-unheimliche Heim für 4.950.000 englische Pfund erwerben. Dafür liegt man dann auch in der Nähe von Karl Marx und kann sich von diesseits und jenseits des Grabes über die Finanzkrise unterhalten.



Nachbarbebauung, Quelle: Wikipedia



Unheimliche Organisationen – Hellfire Club – 12.11.2009


Wer glaubt, so etwas Krasses wie der KitKatClub habe nur im 20. Jahrhundert entstehen können – der irrt gewaltig. In den Jahren 1746 bis 1763 traf sich eine Gruppe englischer Adeliger – sie gehörten zum säkularen Orden der Knights of St. Francis, um gemeinsam antibürgerlichen Interessen nachzugehen. Ihren lustigen Privatverein, der angeblich nur den Interessen der Aufklärung diente, nannten sie 'Hellfire Club' und ähnlich hoch her wie in der Hölle muss es auf ihren Partys zugegangen sein, die sich thematisch wohl am ehesten mit ‚satanistische Swinger-Orgien’ beschreiben lassen. Höllenfeuerteufel Nr. 1 war Sir Francis Dashwood, der 15. Baron le Despencer (1708–1781), der von seinen Reisen durch die Priesterseminare Europas wertvolle Inspirationen für satanistisch umzuwendende christliche Rituale mitgebracht hatte.





William Hogarths Darstellung seines scheinheiligen 'Abtes'



Ihre deftigen schwarzen Messen feierten Abt Dashwood und seine Brüder mit aufgeschlossenen  Nonnen in einer ehemaligen Abtei, die sie sich stimmungsvoll neogotisch umbauen hatten lassen: Medmenham an der Themse. Unter den 12 Gründungsmitgliedern war auch William Hogarth. Benjamin Franklin hat es wohl ebenfalls mal im Höllenfeuer krachen lassen – allerdings ohne ein festes Clubmitglied zu sein. Das Motto des Clubs ‚Fay ce que vouldras / Tu was du willst’ stammt von François Rabelais und hat später auch Aleister Crowley noch gut in den okkulten Kram gepasst. John Galliano hat sich eigenem Bekunden nach von den Höllenbrüdern für seine Fall/Winter-09-Kollektion inspirieren lassen (Piraten waren wohl auch im Spiel, das verraten andere als das unten gezeigte Outfit). Also ist gerade jetzt draußen auf der Straße Hellfire Club Season: Tu was du willst!


 


Unheimliche Organisationen – Hellfire Club – 11.11.2009

Für alle Gründer oder Betreiber von Großfamilien alttestamentarischen Ausmaßes sei hier warnend ein Element des transsylvanischen Volksaberglaubens angeführt:Jeder 7. Sohn eines 7. Sohnes ist dazu verflucht, ein Vampir zu werden. Ausweg: Über Mädchen wird nichts gesagt.



Philip Burne-Jones: Vampire, 1897






Unheimlich reisen – Wien – 10.11.2009


Der Herbst ist die ideale Zeit für Städtereisen mit melancholischem Touch. Insbesondere Wien eignet sich dafür in diesem Jahr hervorragend, denn neben der dauerhaft gepflegten Atmosphäre heimelig-unheimlicher Morbidität vor Ort, lassen sich dort im Rahmen der Herbstausstellung des Leopoldmuseums mehr als 200 Ikonen des Unheimlichen bewundern, darunter 37 Hauptwerke Munchs.




Edvard Munch: 'Vampir', 1893, Öl auf Leinwand, 77 x 98 cm, Munch-museet, Oslo

© The Munch Museum/The Munch Ellingsen Group/VBK, Wien 2009


 



Edvard Munch: 'Madonna', 1895, Lithographie mit Fettkreide und Tusche auf Papier,
60,5 x 44 cm, Munch-museet, Oslo, © The Munch Museum/The Munch Ellingsen Group/
VBK, Wien 2009



Neben den ikonischen Bildern Munchs werden Werke von Zeitgenossen wie Kubin und Ensor,
aber auch von Vorläufern wie Piranesi und Goya gezeigt.





Cuno Amiet: Die Hoffnung – Die Vergänglichkeit, 1902,
Tempera auf Karton und Sperrholz
, 87 x 110,5 cm, Kunstmuseum Olten



Leopold Museum
Museumsplatz 1, 1070 Wien
U2 MuseumsQuartier
U2, U3 Volkstheater
Täglich außer Dienstag 10 - 18 Uhr
Donnerstag 10 - 21 Uhr
Dienstag geschlossen
leopoldmuseum.at




Lebendig begraben – Die Mauer – 9.11.2009


Lebendig begraben zu werden ist eine der unheimlichsten Vorstellungen überhaupt. Allerdings ließen sich im Mittelalter besonders geistliche Personen gerne einmauern, um aus der der sinnlichen Welt zu verschwinden, entrückt und damit Gott näher zu sein. Dies geschah freiwillig und nannte sich 'reclusio'. Ebenfalls im Mittelalter wurden mancherorts Raubritter und andere Bösewichter eingemauert, allerdings gegen ihren Willen und ohne Proviant. Am 13. August 1961 wurden Millionen Deutsche eingemauert, gegen ihren Willen, mit mäßigem Proviant und "ohne dass [sie] etwas Böses getan hätte[n]" (Kafka). So fortschrittlich war das 20. Jahrhundert. Wir sind gespannt, wie es im 21. weitergeht.




Quelle: Wikipedia, Foto: Thierry Noir (von mir bearbeitet: C. F.)






Filmempfehlung – 'Der Dybbuk' – 8.11.2009


Michal Waszynskis filmische Adaption 'Der Dybbuk' (1937) von Salomon Anskis Stück 'Der Dibbuk' (1916) präsentiert sich aus heutiger Sicht in zweifacher Weise unheimlich, zum einen als Gruselfilm – ein Dibbuk ist ein Revenant, ein Wiedergänger aus dem Grab –, zum anderen aber auch als unheimliches Dokument der ausgelöschten ostjüdischen Kultur des Schtetls. Der Film ist im Original in jiddischer Sprache. Nicht nur für Fans des Unheimlichen ein wirklich sehenswerter Film.




Szene aus 'Der Dybbuk'



Totentanz-Szene aus 'Der Dybbuk'


Die DVD ist unter anderem bei Amazon erhältlich, ASIN: Booo67HP9G. Bitte immer über bildungsspender.de zu amazon.de gehen, dann wird ein Teil des Ver- kaufspreises automatisch an eine Bildungseinrichtung Ihrer Wahl gespendet. dasunheimliche.com spendet an die Freie Integrative Montessorischule Pankow.



Leseempfehlung – Algernon Blackwood: 'The Willows' – 7.11.2009




(c) maou-maou





Beim Unheimlichen zählt, wie erzählt wird, nicht so sehr, was. Ein Großmeister im Erzeugen unheimlicher Stimmung war Algernon Blackwood (1869-1951), deshalb unsere Leseempfehlung: die Erzählung The Willows (1907), deutsch: Algernon Blackwood: Die Weiden, Frankfurt (Heinrich und Hahn), 2007. –"Der Tod, so wie wir ihn sehen, ist ja entweder die radikale Auslöschung unserer Sinne - oder aber die Befreiung von ihren Schranken. Unser Eigentliches bleibt unberührt von ihm. Das Ich ändert sich nicht, bloß weil da der Körper nicht mehr existiert." 


Ikonen des Unheimlichen – Vampira – 6.11.2009


Die gebürtige Finnin Maila Nurmi, in jungen Jahren Model(Pin-up?)freundin Marilyn Monroes, in späten Jahren angeblicher Todesengel von James Dean, merkte schnell, dass ein außergewöhnliches Image der Schlüssel zum Hollywooderfolg sein kann und legte sich eines der markantesten Images der Filmgeschichte zu: die des sexy-untoten Vamp-Vampirs Vampira – gebildet nach einem Pre-Addams-Family-Cartoon von Charles Addams. Das sexy-morbide Untoten-Image verkörperte Maila so wahrhaftig, dass es ihr nicht nur diverse Morbidrollen sowie das Begehren von Marlon Brando, James Dean und Orson Welles, sondern auch mehrere Anschläge auf den vermeintlich satanischen Sanduhr-Leib und das über- bzw. widernatürliche Leben einbrachte. Anders als ihre Nachmacherin Elvira scheffelte Vampira keine Millionen mit Licensing: “I give epitaphs, not autographs." (Vampira). Dafür bewies sie bis zuletzt untote Grandezza als hohe Dame des †odschicks.



Vampira in Ed Woods 'Plan 9 from Outer Space’, Quelle: Wikipedia



Ikonen des Unheimlichen – Sarah Bernhardt – 5.11.2009


Ähnlich hochbegabt im Imagekreieren wie die bereits vorgestellte Marquesa Casati (s. Blog-Eintrag vom 16.9.) und mit dieser auch diverse motivische Inszenierungsparallelen aufweisend – exotische Menagerie im Haus, düstere Porträts von Boldini & Co – kann die berühmteste Schauspielerin ihrer Zeit einen aboluten †odschick-Coup für sich verbuchen:  die Erfindung der urbanen Gruftwohnung und des unheimeligen Schlafsargs.






Und jetzt die Nachmacher!!! Hotelbett, Schlafsarck, Bett für Klaustromorbide. Übrigens schliefen
und schlafen weit weniger Gothics in Särgen als weithin angenommen. Angehörige der Szene, sofern sie Geschmack haben, richten sich im viktorianischen Stil, dark shabby chique, ein. Und über die anderen wird in diesem Blog nicht gesprochen.




†odschick – Amokmode – 4.11.2009


Kein Kleidungsstück für junge Männer erfreut sich größerer Unheimlichkeit als der lange schwarze Mantel, idealerweise in Leder (Lack ist 'Matrix', alles andere nicht Fetisch genug). Einerseits eine Art ikonografisches Archiv dämonischer Mächte – Vampire ... Wehrmacht/SS/Gestapo (deren Mäntel in Wirklichkeit dunkelgrün waren), andererseits so etwas wie eine textile Morddrohung: Seht her, ich könnte morgen schon oder jetzt gleich das was ich beim Ego-Shooter-Spielen gelernt habe, in die Tat umsetzen. Der Junge im schwarzen Ledermantel, der mit festem Schritt durch die Fußgängerzone stürmt, laute Metal-Musik im Ohr, die Augen abgewandt, trägt offen zur Schau, was sonst unsichtbar bleibt: das hinter den Fassaden bürgerlicher Verdrängung lauernde mörderische Potential der lieben Nachbarn, Mitschüler, Menschen ––– solange er es dabei belässt, ist das living uncanny art.    




Foto: creativecommons.org,
von mir bearbeitet: C. F.




Unheimliche Videos – Anna-Nicoles Puppe – 3.11.2009


Das gestern veröffentlichte verstörende Privatvideo von Anna-Nicole Smith zeigt einmal mehr, dass Clowns nicht lustig sind, sondern Horror ... und dass 'My home is my haunted castle' nach wie vor Gültigkeit besitzt. Die arme Anna-Nicole nimmt Unbelebtes (Puppe) als Belebtes (Baby) und Belebtes (ihr ungeborenes Baby) als Unbelebtes (Blähungen) wahr – das ist nach Freud unheim- lich.  – "Gas" allerdings hat Anna-Nicole Smith, obwohl diese Vorstellung zutiefst unheimlich wäre, niemand "eingeblasen", schon eher dem Übersetzer ins Hirn.




Quelle: Wikipedia





Memento-mori-Accessoires – Tödlein – 2.11.2009


Ein 'Tödlein' ist eine kleine Memento-mori-Figur zum Mitnehmen, death to go, pocket death. Den kleinen Tod steckt man in die Tasche, damit einen der große Tod nicht irgendwann komplett unvorbereitet einsackt. Je nach Geldbeutel kann man sich im Internet ein Nightmare-Before-Christmas-Tödlein bestellen oder in ein Unikat von Künstlerhand investieren. Das schönste Tödlein hat Herr Ludwig in seiner Sammlung, das niedlichste habe ich (s. o.).





Zeitgenössisches Tödlein mit einer Puppe von Little Miss Luzifer,

Sammlung Frohmann, Foto: Christiane Frohmann




Filmempfehlung – Edward Scissorhands – 1.11.2009


Der Tag nach Halloween, insbesondere wenn es sich um einen Sonntag handelt, ist der beste Tag im Jahr um Tim-Burton-Filme anzusehen. Unser Favorit: 'Edward Scissorhands' von 1990, in dem uns die eigentlich doofe, unter Burtons Regie aber brauchbare Winona Ryder im Zusammenspiel mit dem natürlich immer großartigen Johnny Depp die Kajalreste aus den schlecht abgeschminkten Smokey Eyes schwemmt und anwesende Kinder ganz nebenbei und pädagogisch wertvoll Respekt vor dem Anderen lehrt. ––– Als Surplus tattert sich hier Vincent Price würdevoll durch eine seiner letzten Rollen.




Tim-Burton-Fan, Foto: Christiane Frohmann




Happy Halloween – 31.10.2009




Nesferitu, (c) maou-maou   




Scheiden tut weh – Lebensnaher Schmuck – 30.10.2009


Verliebt sein ist schön, verlobt sein ist altmodisch, verheiratet sein ist bürgerlich und scheiden tut weh ... doch nicht mehr ganz so schlimm, denn jetzt kann man diesen schwierigen Schwellenritus ausgesprochen glamourös vollziehen: mit dem wunderschönen Divorce Ring von Gisèle Ganne. Hat der Future Ex – wenn schon keinen Charakter, dann wenigstens – Stil, überreicht er den Ring zum Abschied. Für den statistisch wahrscheinlicheren Fall verbrannter Erde kauft man ihn sich selbst und trägt ihn zum unvermeidlichen Wiedersehen beim Anwalt oder vor Gericht.





Divorce Flower Ring,(c) www.giseleganne.com






'unheimlich' vs. 'Horror'/'Ekel' – 29.10.2009


Eine unheimliche Geschichte mit Ekel-Ende und ein unheimlicher Film, der in einmer Szene in blanken Horror umschlägt. Das Unheimliche hat aufgehört, wo Horror und Ekel begonnen haben.









Ikonen des †odschicks – Skeleton Dress – 28.10.2009


Schiapirellis surrealistisches Skelettkleid von 1938 ist zeitlos schön und das Meisterstück des †odschicks.






Elsa Schiapirellis 12 Modegebote für Frauen



   1. Since most women do not know themselves they should try to do so.

   2. A woman who buys an expensive dress and changes it, often with disastrous result,
     is extravagant and foolish.

   3. Most women (and men) are color-blind. They should ask for suggestions.

   4. Remember-twenty percent of women have inferiority complexes.
      Seventy percent have illusions.

   5. Ninety percent are afraid of being conspicuous, and of what people will say.
      So they buy a gray suit. They should dare to be different.

   6. Women should listen and ask for competent criticism and advice.

   7. They should choose their clothes alone or in the company of a man.

   8. They should never shop with another woman, who sometimes consciously or
      unconsciously, is apt to be jealous.

   9. She should buy little and only of the best or cheapest.

  10. Never fit a dress to the body, but train the body to fit the dress.

  11. A woman should buy mostly in one place where she is known and respected,
      and not rush around trying every new fad.

  12. And she should pay her bills.


Dampfdirnen – Der satanische Glanz des Messings – 27.10.2009

 

Goth ist dir zu düster, Silber zu kalt, Schwarz zu schwarz und du stehst mehr auf Jules Verne als auf Lord Byron, – super, hier ist die passende Subkultur für dich: Steampunk! Viktoria-nisieren kann man nämlich nicht nur morbid-melancholisch, sondern auch techno-arty-nerdy. Zum Einstimmen auf deinen neuen Lifestyle kannst du gleich zu Halloween Jake von Slatts 'Microwave Motor Flying Crank Ghost’ basteln. (Von Slatt ist der Hans Dampf in allen Gassen dieser medienaffinen Szene!) Und glücklicherweise muss man sich heute ja nicht mehr damit abmühen, subkulturell herausragende Outfits zusammenzuschustern, schließlich gibt es im Internet für jeden das passende Shoppingcenter. Den Trödlern muss Steampunk wie ein Sechser im Lotto vorkommen, schließlich war Messing jahrzehntelang der absolute Ladenhüter, sozusagen das Bordeaux unter den Interieurmaterialien.



 

Viktorianisierter Laptop, (c) Jake von Slatt



†odschick im Alter – auah – 26.10.2009


So attraktiv der †odschick in der Blüte der Jugend aussehen kann, so desolat wirkt er im fortgeschrittenenen Alter. Betrachtet man aktuelle Bilder von einstigen Goth-Stilikonen wie Siouxsie und Robert Smith – ja, Letzterer hat damals sein Styling bei Ersterer abgekupfert – ringt man nach Luft. Sie sieht aus wie eine abgetakelte Eckkneipenwirtin, die in ihrer Freizeit mit Bällen jongliert und er ... er auch. Für alle Düster-Dresser gilt also der alte Spruch 'Von hinten Lyzeum, von vorne Museum' in besonderem Maße: Corpse Paint und blauschwarz gefärbte Haare machen alt – sehr alt – und um sich das leisten zu können, muss man jung sein – sehr jung – oder aber außerordentlich jugendlich wirken (nicht auf sich, sondern auf andere!). Ausnahmen bestätigen die Regel: Karl Lagerfeld bekommt, ob man ihn nun sympathisch findet oder nicht, den Spagat sehr graziös hin: Er trägt sein Goth-Epheben-Styling mit adrettem Weißhaar mit so viel Haltung zur Schau, dass es kein bisschen lächerlich wirkt. Also Anmut UND/ODER Würde, sonst besser Hände weg vom †odschick! (Gegen etwas antiken viktorianischen Schmuck ist natürlich nichts einzuwenden.)




Zu alt für den viktorianischen Gothic-Look





Cultural Clash – Il gothico mediterraneo – 25.10.2009



Italien ist das Land, in dem die Zitronen blühen. Der italienische Himmel ist himmelblau (azzurro). Italiener sind stets leicht gebräunt und betonen dies durch das Tragen von leuchtend bunter Kleidung und Goldschmuck. Soweit das Italienklischee seit Goethe. In den letzten 10 bis 20 Jahren spielen die Italiener aber nicht mehr richtig mit. Erst fingen sie an, schwarz zu tragen, dann Silberschmuck. Aber Goth-Italiener? ... Die Welt ist aus den Fugen. Sto per venire. Unglaublich, aber wahr(haftig schön): Goth Italia in Graig McDeans 'The Now Smash Of Style' (Vogue Italia 5/2009)



 

Verkannte Gothic-Ikone: Sophia Loren,
Quelle: Wikipedia




Filmempfehlung – 'Night of The Hunter' – 24.10.2009


In seiner einzigen Regiearbeit lehrt Charles Laughton ('Der Glöckner von Notre-Dame') den Zuschauer mit allen Mitteln der Filmkunst das Fürchten, sein Film ist ein schaurig-schönes expressionistisches Märchen, in dem Robert Mitchum den besten psychopathischen Prediger aller Zeiten gibt. Absolut originäre Filmsprache, bis heute ohne jede Abnutzungserscheinungen, fan- tastischer Soundtrack, traumhafte Bilder – einer meiner Lieblingsfilme.


 L-O-V-E 
 H-A-T-E 





'Night of the Hunter': Natur = lieb, Mensch = böse
Quelle: Wikipedia, Foto: Jozef Fiala





Leseempfehlung – Don DeLillo: 'White Noise' – 23.10.2009


Das menschliche Bewusstsein lehnt es ab, sich den eigenen Tod vorzustellen, obwohl dieser eine biologische Tatsache ist. Die Lektüre von 'White Noise' lässt einen das Phänomen Sterblichkeit spüren: im 'delightful horror' des Unheimlichen.
 




 "It's about fear, death, and technology.
 A comedy, of course." (DonDeLillo) 


Don DeLillo: White Noise, New York (Viking) 1985


Don DeLillo: Weißes Rauschen, Köln (Kiepenheuer und Witsch) 1987





Tod und Tabu – F. W. Murnau – 22.10.2009


Um den Unfalltod von Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau ('Nosferatu', 'Tabu') im kalifornischen Santa Barbara 1931 ranken sich viele düstere Legenden, im Zentrum aller steht ein Tabu bzw. dessen Verletzung. – Hätte er nicht diesen gutaussehenden 14-jährigen Philippino ans Steuer gelassen, wäre er nicht verunglückt (gesellschaftliches Tabu der Homosexualität). – Hätte er sein Anwesen auf Tahiti nicht auf heiligem Grund und Boden gebaut, wäre er nicht verunglückt (animistisches Tabu). Murnau war offensichtlich nicht nur gut darin, für den Film "wirklichen Bauten etwas Unheimliches abzugewinnen" (Lotte Eisner), sondern verstand es auch, seine Umgebung über den Tod hinaus – nach Filmende – so wirklich-wirksam mit dem unheimlichen Lebensgefühl zu infizieren, dass es – neun Jahre nach Howard Carters Grabfund – für einen eigenen 'Fluch des Pharao' reichte.




F. W. Murnau, Quelle: Wikipedia





'Psychedelic Scare and Groovy Ghouls' – 21.10.2009


Nachdem man in den 1950ern dank 'Hammer Horror' bereitwillig, wenn auch nicht unironisch das Fürchten gelernt hatte, wandte man sich in den 60ern mehr den heiteren Seiten des unheimlichen Lebens zu. Entstanden sind dabei eine Reihe exzellenter Gruselkomödien: die TV-Serien 'The Munsters' und 'The Addams Family', der niedliche Animationsfilm 'Monster Party' und Roman Polanskis Film 'Dance of the Vampires' (1967) – in der nicht verhunzten englischen Originalfassung z. B. in der SZ-Cinemathek erhältlich. Jede einzelne der genannten Produktionen eine Empfehlung für unheimlich-heimeligeHerbstabende am künstlichen Kaminfeuer!





Quelle: Wikipedia, Foto: Shealah Craighead, von mir bearbeitet: C. F.




Krallen zeigen – Gothic Schmuck von Pamela Love – 20.10.2009


Krallen ... haben wilde Tiere und Bestien in Menschengestalt wie Hexen, Vampire und Sekretärinnen, die mit ihrem Chef schlafen. Wer Krallen hat, möchte verletzen (Hexe, Vampir, Sekretärin) oder zumindest nicht arbeiten (Hexe, Vampir, Sekretärin). Krallen sind unpraktisch und unmütterlich, kurz: unbürgerlich. Wer den †odschicken Appeal der Krallen schätzt, lange Fingernägel aber nicht, die/der kann guten Gewissens zur Fremdkralle greifen und sich diese zum Beispiel um den Hals hängen, in besonders glamouröser Ausführung aktuell zu finden bei der Londoner Schmuckdesignerin Pamela Love. Für einen kurzen Augenblick wird die Kralle tatsächlich noch als Abgrenzungszeichen für die Düstererfühlenden taugen – 'Schwarz' und 'Totenkopf' sind ja bereits aufgeraucht –, nach der nächsten H&M-Zwischenkollektion, spätestens im Herbst 2010 werden dann aber †odsicher ALLE ihre Krallen zeigen.

Lagen des Unheimlichen – Uncanny Valley – 19.10.2009





Japanischer Mandy-Raver-Android
Quelle: Wikipedia, Foto: Gnsin,
von mir bearbeitet: C. F.




Menschen mögen ihre Androiden menschlich, aber nicht allzu menschlich. Erst wenn die Roboter 'wirklich' täuschend echt wirken, sich also der Prozess der Täuschung vollständig unserer Wahrnehmung entzieht, finden wir wieder heraus aus dem 'Uncanny Valley', in das wir angesichts fast perfekter Täuschung geraten sind.


Weird Girl from Uncanny Valley



Ikonen des Unheimlichen – Vlad Draculea – 18.10.2009



Der historische Woiwode (Fürst) Vlad III. der Walachei, Beiname 'Ţepeş' ('Pfähler') und 'Drăculea' ('Sohn des Teufels'), der unbestritten Zehntausende von Menschen auf jede erdenkliche wie unvorstellbare Weise foltern und umbringen ließ bzw. dies auch gern selbst erledigte, war in seiner maßlosen Grausamkeit keine Ausnahme, sondern ein repräsentativer spätmittelalterlicher Herrscher. Den ikonischen Status als Teufel in Menschengestalt, dämonischer Pfähler und Dracula-Blaupause verdankt er weit weniger seinen Greueltaten, sondern deren wirtschafts-, gesellschafts und glaubenspolitisch motivierter Einbettung in düstere Legenden. Im 19. Jahrhundert wird dann mit veränderten ideologischen Prämissen aus dem Pfähler der zu Pfählende, d. i. das zu besiegende Unheimliche imperialistischer Bürgerlichkeit.





         Fürst Draculea mit Pfahlschnauzer




                                                         

        Dandyvampir europäischen Typs
      ("ooooooh Beeeeeeelaaaa")






Tod Browning: 'Freaks' – 17.10.2009



  Monster sehen nicht aus wie Monster.  









Todd Browning: 'Freaks', USA, 1932 – ein humanistischer Horrorfilm, der einen unheimlichen Blick zurück eröffnet: in die Zeit, als man behinderte Menschen wie Zootiere in Site Shows präsentierte. Die Darsteller der 'Freaks' (von 'freak of nature': 'Laune der Natur' – der im 19. Jahrhundert gängigen Bezeichnung für Kleinwüchsige und Menschen mit Fehlbildungen) sind keine professionellen Schauspieler, sondern Laiendarsteller mit echten Fehlbildungen. 




'Lords of Chaos' – 16.10.2009

        



  Die besten Geschichten schreibt (in Kooperation mit den Medien) das Leben. 


Michael Moynihan, Didrik Söderlind: 'Lords of Chaos. The Bloody Rise of the Satanic Metal Underground, Federal House, 2003, ISBN 978-0922915941


Deutsche Ausgabe:
Michael Moynihan, Didrik Söderlind: 'Lords of Chaos. Satanischer Metal: Der blutige Aufstieg aus dem Untergrund', Zeltingen (Index/Promedia), 2008, ISBN 3-936878-00-5



 Appell: Bücher lieber im Einzelhandel kaufen. Nicht vorrätige Bücher werden 
 bis zum nächsten Tag besorgt und manchmal sogar persönlich vorbeigebracht.  
 Keine Zeit verlieren, Portokosten sparen, den lokalen Buchhandel unterstützen! 
 





Tim Burton: 'Vincent' – 15.10.2009


In seinem bezaubernden Frühwerk 'Vincent' (1982), einem Film auf der Grundlage eines eigenen Gedichtes, zeigt Tim Burton, dass eine unheimliche Gemütslage oder Mentalität nicht immer eine temorär-pubertäre Entgleisung ist, die sich später zur Genugtuung der Eltern wieder 'legen' oder 'verwachsen' würde, sondern dass eine Neigung zum Unheimlichen auch eine lebenslange Disposition sein kann – Burton selbst ist ja dafür das beste Beispiel.
 




Tim Burton

Vincent
(Tranksript des Gedichtes
aus dem gleichnamigen Flm)

Vincent Malloy is seven years old
He’s always polite and does what he’s told
For a boy his age, he’s considerate and nice
But he wants to be just like Vincent Price

He doesn’t mind living with his sister, dog and cats

Though he’d rather share a home with spiders and bats
There he could reflect on the horrors he’s invented
And wander dark hallways, alone and tormented

Vincent is nice when his aunt comes to see him

But imagines dipping her in wax for his wax museum

He likes to experiment on his dog Abercrombie

In the hopes of creating a horrible zombie
So he and his horrible zombie dog
Could go searching for victims in the London fog

His thoughts, though, aren’t only of ghoulish crimes

He likes to paint and read to pass some of the times
While other kids read books like Go, Jane, Go!
Vincent’s favourite author is Edgar Allen Poe

One night, while reading a gruesome tale

He read a passage that made him turn pale

Such horrible news he could not survive

For his beautiful wife had been buried alive!
He dug out her grave to make sure she was dead
Unaware that her grave was his mother’s flower bed

His mother sent Vincent off to his room

He knew he’d been banished to the tower of doom
Where he was sentenced to spend the rest of his life
Alone with the portrait of his beautiful wife

While alone and insane encased in his tomb

Vincent’s mother burst suddenly into the room
She said: “If you want to, you can go out and play
It’s sunny outside, and a beautiful day”

Vincent tried to talk, but he just couldn’t speak

The years of isolation had made him quite weak
So he took out some paper and scrawled with a pen:
“I am possessed by this house, and can never leave it again”
His mother said: “You’re not possessed, and you’re not almost dead
These games that you play are all in your head
You’re not Vincent Price, you’re Vincent Malloy
You’re not tormented or insane, you’re just a young boy
You’re seven years old and you are my son
I want you to get outside and have some real fun.

”Her anger now spent, she walked out through the hall

And while Vincent backed slowly against the wall
The room started to swell, to shiver and creak
His horrid insanity had reached its peak

He saw Abercrombie, his zombie slave

And heard his wife call from beyond the grave
She spoke from her coffin and made ghoulish demands
While, through cracking walls, reached skeleton hands

Every horror in his life that had crept through his dreams

Swept his mad laughter to terrified screams!
To escape the madness, he reached for the door
But fell limp and lifeless down on the floor

His voice was soft and very slow

As he quoted The Raven from Edgar Allen Poe:


“and my soul from out that shadow

that lies floating on the floor

shall be lifted?

Nevermore…”





Tim Burton: 'Vincent' [Film in voller Länge]



Dass die unheimliche Gemütslage nicht automatisch mit persönlicher Todessehnsucht einhergeht, sondern viel mit ästhetischem Vergnügen zu tun hat, bezeugt Vincents (Burtons) Verehrung für Vincent Price, der auch den Erzähler in 'Vincent' spricht. Tim Burton als Regisseur und Vincent Price bzw. als dessen legitimer Nachfolger Johnny Depp sind die Galionsfiguren eines ausgelassen-ironischen Umgangs mit dem Unheimlichen (... dem Tod) – eine Tradition, die 1787 mit William Beckfords Roman 'Vathek' begonnen hat.

 

The one and only Vincent Price






Snuff-Architektur – 14.10.2009



Eine sehr eigenwillige Interpretation des von Horace Walpole favorisierten eigenen "little Gothic castle" stellte H. H. Holmes von ihm selbst geplantes und erbautes Hotel in Chicago dar. Im 'Castle', wie das riesige Gebäude bald im Volksmund genannt wurde, nahm man die für Spukschlösser obligatorische Leiche im Keller wörtlich ... und das auch noch im Plural.




 


'The Castle' (steht dieses Gebäude nicht
in der Berliner Friedrichstraße?)




Sein unheimliches Hotel hatte Holmes rechtzeitig zur 1893 in Chicago stattfindenden Weltausstellung errichten lassen, einzig zu dem Zweck, möglichst viele junge Frauen zum arglosen 'Einchecken' zu bringen: als Hotelgast oder -angestellte. ... Was die Ladys allerdings nicht wussten war, dass es für die Ewigkeit sein würde. Neun Morde wurden Holmes nachgewiesen, siebzehn hat er selbst gestanden, für ca. weitere 200 kommt er als Täter in Frage. Die Skelette einiger Opfer verkaufte er nach fachgemäßer Präparation, Holmes war ausgebildeter Arzt, an anatomische Institute – ein Mordsgeschäft zu dieser Zeit.






Der Arzt ihres Vertrauens – Dr. Holmes




  "I could not help the fact that I was a murderer, 
 no more than the poet can help the inspiration to sing." 
 (H. H. Holmes) 



Das Castle war das Traumhaus eines jeden Serienkillers: mehr als hundert verborgene Räume, alle fensterlos und schalldicht, ins Nichts führende Geheimgänge, ein Folterkeller mit Säurebad und Gaskammer  – integriertes Arbeiten und Wohnen für höchste psychopathische Ansprüche!


Konventioneller veranlagte Menschen mag beruhigen, dass Holmes Traum(a)hotel 1895 von einem anonymen Täter gothic-logisch korrekt in Schutt und Asche gelegt wurde. Dr. Holmes saß zu diesem Zeitpunkt bereits im Gefängnis, das er nur noch verlassen sollte, um 1896 gehängt und auf eigenen Wunsch dick einbetoniert in den Sarg gelegt zu werden.






TV-Dokumentation über H. H. Holmes




Film – Picnic at Hanging Rock – 13.10.2009




Der 'echte' Hanging Rock in Victoria, Australien,
(c) iStockphoto, Foto: Tamara Bauer



"What we see, and what we seem, are but a dream, a dream within a dream."



Peter Weirs Film 'Picnic at Hanging Rock' von 1975, deutsch: 'Picknick am Valentinstag', war die erste australische Produktion, die zu einem internationalen Erfolg wurde. Die Verfilmung von Joan Lindseys gleichnamigem Roman stellte die Kritiker vor arge Probleme der Genre-Zuordnung, denn für einen Horrorfilm schien ihnen das Ganze doch “zu sonnenbeschienen”.


 

Die Handlung ist rasch erzählt: Am Valentinstag 1900 verschwinden bei einem Ausflug auf dem Hanging Rock – siehe Abbildung oben – drei Internatsschülerinnen und ihre Lehrerin. Eines der Mädchen taucht wieder auf, kann sich aber an nichts erinnern. Durch die mysteriösen Ereignisse beunruhigt, nehmen zahlreiche Eltern ihre Töchter von der Schule. Die Schulleiterin beginnt zu trinken und schickt ein Mädchen, dessen Schulgeld nicht bezahlt worden ist, ins Waisenhaus: Dieses Mädchen begeht Selbstmord. Die Direktorin wird einige Wochen später tot am Fuße des Hanging Rock aufgefunden.

 

'Picnic at Hanging Rock' ist keine klassische Filmerzählung, der Film erzählt keine Story, sondern ein Gefühl – er visualisiert und vertont das Gefühl des Unheimlichen. Zu diesem Zweck bedient sich Regisseur Peter Weir einer trügerisch-süßlichen Ästhetik vorpubertärer Unschuldserotik und romantischer Idylle: Bilder à la David Hamilton und die in den 70er-Jahren notorische Panflötenmusik von Gheorghe Zamfir, also ästhetisch Gewohnt-Gewöhnliches, in das er das Unheimliche wirkungsmächtig einbrechen lässt.



Ausschnitt aus 'Picnic at Hanging Rock'

 

'Picnic at Hanging Rock' ist eines der seltenen Beispiele eines
'reinen' unheimlichen Films, der ganz ohne Horrorelemente auskommt.




Morbidsound – 12.10.2009



1761 von Benjamin Franklin erfunden, machte die Glasharmonika (aka ‚Armonica’ oder
‚Glassy-Chord’), ein Reibe-Idiophon aus
verschieden großen, ineinandergeschobenen
Glasglocken, die auf einer gemeinsamen waagerechten Achse lagern und durch ein Pedal
zum Rotieren gebracht werden, in den USA und Europa Furore
– ihr jenseitig-sphärischer
Klang bildete den perfekten Soundtrack für die empfindsame Epoche.  




Benjamin Franklin an seinem Emotionsblitzableiter;
Foto: Deutsches Museum





„Der ewig heulende, klagende Gräberton – machen das Instrument zu einer schwarzen Tinte,
zu einem grossen Gemählde, wo in jeder Gruppe sich die Wehmut über einen entschlafenen
Freund beugt“, schwärmt ein Zeitgenosse.


 

Viele berühmte Komponisten begeisterten sich seinerzeit für das esoterische Instrument, Mozart schrieb gleich mehrere Stücke für die Glasharmonika. Prominente Harmonikaspieler waren unter anderem die blinde Pianistin Marianne Kirchgeßner und der Begründer der Lehre vom animalischen Magnetismus: Franz Anton Mesmer, der das Instrument bisweilen auch therapeutisch – zur Patientenentspannung – einsetzte.


Das morbide Image der Glasharmonika speiste sich nicht zuletzt aus der Legende, dass ihr Klang Nerven zerrüttend, ja Tod bringend sei.



 Neugierig geworden? 


Sound für Lebensmüde und Todesmutige





Schauermode – 11.10.2009

Eine Gänsehaut (lat.: cutis anserina) entsteht, wenn sich vor Angst, Erregung
oder Kälte die Körperhaare aufrichten und dabei kleine Erhebungen der Hautoberfläche bilden,
– dies wird hervorgerufen durch eine vom vegetativen Nervensystem gesteuerte Kontraktion
des Haarbalgmuskels (lat. Musculus erector pili).

 

Ein klassischer Auslöser für Gänsehaut ist die Berührung eines Spinnennetzes.
Diesen haptisch-unheimlichen Thrill kann man sich demnächst direkt auf den Leib

schneidern lassen, denn einem auf Madgaskar lebenden Textilarchäologen/Modedesigner-Duo
ist es 2009 gelungen, einen Stoff
aus echten Spinnfäden zu weben. Mit künstlichen
Spinnfäden wird ja bereits seit einigen Jahren erfolgreich experimentiert.
 

Die Goldene Radnetzspinne wird also zur Seidenraupe der Goth-Couture avancieren
und das Unheimliche als Lebensstil um eine Facette reicher machen.



Spinne im eigenen Netz, (c) istockphoto, Foto: Dan Brandenburg




Handgewebter Stoff aus dem Faden der Goldenen Radnetzspinne
(Dank für den Link an Moritz Reichelt)

 

Naturidentische Spinnfäden



Achtung: Gänsehaut kann nur auf behaarten Hautflächen entstehen, Spinnennetzpullover sind
also  bei
(gut) rasierten, gelaserten und epilierten Personen nicht gefühlsecht!

 


Ghost Model – 10.10.2009


Am 28. Juni 2009, wenige Tage vor ihrem 21. Geburtstag,
stürzte sich das in den Medien aufgrund seiner langen Haare
und märchenhaften Schönheit 'russisches Rapunzel' genannte,
aus Kasachstan stammende Topmodel Ruslana Korshunova
aus ihrem Appartment in einem New Yorker Wolkenkratzer
(Turm) in die Tiefe. Sie war sofort tot.


Ruslana Korshunova, lebend



Model/Ghost, (c) istockphoto,

Foto: Diane Diederich




Ruslana Korshunova, tot


Zuvor hatte Ruslana, die sich in letzter Zeit besorgt über ihr nahendes Verfallsdatum als 'frisches Mädchen' gezeigt haben soll, gemeinsam mit ihrem Ex-Freund Artem (Prinz?) den Film 'Ghost … Nachricht von Sam' angesehen, eine um Liebe über das Grab hinaus kreisende Hollywoodschmonzette mit Patrick Swayze und Demi Moore.


'Ghost' (1990) – Achtung: Explicit Kitsch!


Swayze verstarb übrigens kurz nach Korshunova am 14. September 2009, Moore hingegen – die Galionsfigur der unheimlichen Spezies der 'ewig frischen Mädchen' – spukt weiter über die Cover der Fashion- und People-Magazine.


Demi Moore, alterlos


Freud irrt sich, wenn er glaubt, dass Märchen nicht unheimlich sein können.



Traumazauberbaum – 9.10.2009



Ein Filmtipp für Kinder, die für jetzt und alle Zeit nachts
einpullern und im Elternbett schlafen wollen:

(c) istockphoto, Foto: Spencer Hopkins






 "What is your name?" 
 "Satan." 






Unheimliche Medienerzählungen – 8.10.2009


Hauptproduzenten unheimlicher Vorstellungen und Gefühle sind Anfang des 21. Jahrhunderts nicht mehr künstlerische Darstellungen, (Literatur, Film, Video, Fotografie, bildende Kunst, Musik, Computerspiele ...), sondern die Medienerzählungen des Unheimlichen: Aktuelle Beispiele aus der westlichen Welt erzählen von verkappten Islamisten, ungeahndeten Kinderschändern, ungeahnten Kindermörderinnen, reproduktivem Klonen, bakterienverseuchtem Fleisch und pestizidbelastetem Gemüse, Gen verändernden Phalaten und globalen Pandemien. In der Vergangenheit waren es unter anderem Stasi-IMs, kommunistische Sleeper, Atomversuche, Störfälle in Atomkraftwerken und Entführungen – wahlweise von Terroristen oder Außerirdischen.




Weil das Unheimliche keine Objekten anhaftende Eigenschaft ist, sondern erst in der Vorstellung des Betrachters entsteht, verändern diese den Medienerzählungen entsteigenden neuen Gespenster auch die Realität der Menschen: Ein Schaf hört auf Unschulds- und Reinheitssymbol zu sein und wird in der mediengestützten unheimlichen Vorstellung geklontes Fleisch (Dolly), ein im Garten landender Schwan wird, solange die Erzählung von der Vogelgrippe »in den Medien ist« – mehr Sein ist heute nicht denkbar -, nicht mehr als kostbares Zeichen intakter Natur gesehen, sondern erscheint als virenverseuchter Todesbote. Medienerzählungen sind als Erzeuger unheimlicher Vorstellungen, ungeachtet ihres jeweiligen Wahrheits- und Informationsgehaltes, an die Stelle des Volks- und Aberglaubens getreten. Sie entfalten eine geradezu animistische Wirksamkeit, deren Halbwertzeit an ihre mediale Virulenz gebunden ist. Solange eine mediale Erzählung des Unheimlichen auf Sendung/on air/online ist – die modernen Formen von »in der Luft liegen« - wirkt, also ist die in ihr vermittelte Vorstellung unheimlich.



Gothic Gardening – 7.10.2009



Da unseres Erachtens Gothic die neue Gemütlichkeit repräsentiert,
verwundert es nicht, dass die Schwarze Szene nun auch den Top-Trend
'Kleingärtnern' für sich entdeckt hat: Komplettsets
mit unheilvollen
Sämereien und Zwiebeln, nicht Je-länger-, sond
ern Je-letaler-je-lieber –
ein stimmungsvolles Hobby für die Goth-Frau ab 35.


 Aus der Beschreibung

 "Create your very own Gothic Garden when you sprout gothic plants 
 from graves.
They start sprouting in five days. Water only once  
 every two months, and the plants last for years with minimal care. 
 Grow your own Graveyard Gothic Garden with plants of witches, 
 the undead and unholy. The Gothic Garden celebrates plants that are 
 strange,
ugly and sharp. You simply plant the seeds in the plots you 
 have created with Blood Rock and Headstones, water them and step 
 back to watch your creations flourish. This complete kit celebrating 
 the macabre contains everything you need to create your own 
 authentic Graveyard Gothic Garden including: five color seeds 
 packs, Tombstone Plant stakes, Book Rock, assorted skulls 
 and spiders and graveyard unnerving decals.



Mini Graveyard Gothic Garden Kit


Gothisch-biologisch Gärtnern
(c) iStockphoto, Foto:Trista Weibell

 


Un-Begriff – 6.10.2009



Gothic - Horror =
das Unheimliche




Gothic Wiesn – 5.10.2009