Literatur des Unheimlichen



E. T. A. Hoffmann: 'Der goldene Topf' – 29.11.09


Sigmund Freuds Musterbeispiel einer unheimlichen Erzählung, von Edgar Allan Poe als "deutscher Pseudohorror" abgetan – man urteile selbst.




Foto: alxpin, von mir bearbeitet: C. F., Quelle: iStockphoto



E-Text E. T. A. Hoffmann: 'Der goldene Topf' (1819)




Charlotte Perkins-Gilman: 'The Yellow Wallpaper' – 22.11.2009


Unbedingt lesen: The Yellow Wallpaper von 1899 ist die erste feministische Gothic Tale, die bis heute nichts von ihrer Unheimlichkeit eingebüßt hat. Für alle, die noch nicht wissen, wie es ist, zum Interieur zu gehören. – Ich liebe die letzen beiden Sätze!

Charlotte Perkins-Gilman: Die gelbe Tapete, Wien (edition selene), 2005, ISBN-10: 3852662702, ISBN-13: 9783852662701










Ueda Akinari: 'Ugetsu monogatari' – 14.11.2009



Unbedingt lesen – deutscher Titel: 'Unter dem Regenmond' – wunderschöne japanische Gothic Tales aus dem 18. Jahrhundert, erzählt im 'alten Ton'. Es gibt verschiedene deutsche Ausgaben, u. a. von dtv und Klett, die man relativ häufig in Antiquariaten finden kann.





 



Algernon Blackwood: 'The Willows' – 7.11.2009




(c) maou-maou





Beim Unheimlichen zählt, wie erzählt wird, nicht so sehr, was. Ein Großmeister im Erzeugen unheimlicher Stimmung war Algernon Blackwood (1869-1951), deshalb unsere Leseempfehlung: die Erzählung The Willows (1907), deutsch: Algernon Blackwood: Die Weiden, Frankfurt (Heinrich und Hahn), 2007. –"Der Tod, so wie wir ihn sehen, ist ja entweder die radikale Auslöschung unserer Sinne - oder aber die Befreiung von ihren Schranken. Unser Eigentliches bleibt unberührt von ihm. Das Ich ändert sich nicht, bloß weil da der Körper nicht mehr existiert." 


Leseempfehlung – Don DeLillo: 'White Noise' – 23.10.2009


Das menschliche Bewusstsein lehnt es ab, sich den eigenen Tod vorzustellen, obwohl dieser eine biologische Tatsache ist. Die Lektüre von 'White Noise' lässt einen das Phänomen Sterblichkeit spüren: im 'delightful horror' des Unheimlichen.
 




 "It's about fear, death, and technology.
 A comedy, of course." (DonDeLillo) 


Don DeLillo: White Noise, New York (Viking) 1985


Don DeLillo: Weißes Rauschen, Köln (Kiepenheuer und Witsch) 1987




'Lords of Chaos' – 16.10.2009

      


  Die besten Geschichten schreibt (in Kooperation mit den Medien) das Leben. 


Michael Moynihan, Didrik Söderlind: 'Lords of Chaos. The Bloody Rise of the Satanic Metal Underground, Federal House, 2003, ISBN 978-0922915941


Deutsche Ausgabe:
Michael Moynihan, Didrik Söderlind: 'Lords of Chaos. Satanischer Metal: Der blutige Aufstieg aus dem Untergrund', Zeltingen (Index/Promedia), 2008, ISBN 3-936878-00-5



Gruseln lernen – 1.10.2009


Gruseln meint nicht die Angst angesichts konkreter Gefahren, sondern jene besondere Furcht, die unheimliche Vorstellungen hervorrufen.




Caspar David Friedrich: 'Abtei im Eichwald (Mönchsbegräbnis im Eichenhain)', 1810, von mir bearbeitet: C. F.



Grimms Märchen Einer, der auszog das Fürchten zu lernen (1837) lehrt, ohne ein theoretischer Text zu sein, ähnlich viel über das Gruseln wie Freuds berühmter Aufsatz 'Über das Unheimliche' (1919). Erzählt wird in diesem Märchen von einem Helden, dem es vor nichts graut, bei dem sämtliche bekannten Gruselauslöser ihre Wirkung verfehlen:


E-Text Brüder Grimm:

Märchen von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen

 

Lehre:

 Nicht alle Menschen können sich gruseln, 
 sind empfänglich für das Gefühl des Unheimlichen. 


 Menschen gruseln sich in verschiedenem Maße.

 Das Unheimliche ist eine interne Angelegenheit, 
 es findet nicht »da draußen« statt,
der/die/das 
 Fremde können es einen nicht lehren. 

 Das Gefühl des Unheimlichen ist an die Fähigkeit 
 zur Unterscheidung gekoppelt: lebendig oder tot, 
 real oder imaginär, gut oder böse. 


 Das Gefühl des Unheimlichen ist ein menschliches 
 Distinktionsmerkmal. Es macht menschlich, indem es 
 Differenz fühl- und erfahrbar macht.  

 Wer das Unheimliche nicht fühlen kann, 

 ist anderen unheimlich.

  Das Unheimliche kann auch als Kunst 
 oder Berufung aufgefasst werden.  



Horace Walpole: The Castle of Otranto (1764) – Schädel festhalten und los geht die literarische Geisterbahnfahrt. Die erste Gothic Novel unterhält durch unfreiwillige Komik.

William Beckford: Vathek (1786) – Anreicherung des Unheimlichen mit dem Satanischen und dem Orientalischen

Matthew Lewis: The Monk (1796)

Heinrich von Kleist: Das Bettelweib von Locarno, (1810) [Hörbuch]

Mary Wollstonecraft Shelley: Frankenstein, or, The Modern Prometheus (1818) [Der Link führt zu E-Text und Hörbuch!]  

John William Polidori – The Vampyre (1819) – Geburtsstunde der Vampirgeschichte als eigenes Genre [deutsche Fassung] – Nein, Lord Byron ist nicht der Autor ...

Gotthelf, Jeremias: Die schwarze Spinne (1842)

Edgar Allan Poe: The Raven (1845) [gelesen von Vincent Price] [gelesen von Christopher Walken]

Edgar Allan Poe: The Black Cat, (1843) [Hörbuch in deutscher Sprache]

Edgar Allan Poe: The Tell-Tale Heart (1843) [Hörbuch in englischer Sprache – schön wahnsinnig gelesen]

Emily Brontë: Wuthering Heights (1847) [Hörbuch in englischer Sprache]

Charlotte Perkins Gillma: The Yellow Wallpaper (1892) – das Unheimliche, feministisch dargestellt

Henry James: The Turn of The Screw (1898) – die Lieblingsspukgeschichte des New Criticism

Algernon Blackwood: The Willows (1907) – Atmosphäre ist beim Unheimlichen alles

Franz Kafka: Der Proceß (1925) – so unheimlich wie das 20. Jahrhundert

Franz Kafka: Der Bau (verfasst 1923/1924, postum veröffentlicht 1931) – Unheimlich bauen

Ingeborg Bachmann: Dunkles zu sagen(1953) [gelesen von Bachmann]


Ab hier keine Public-Domain-Texte mehr, also nur per Kauf oder Ausleihe erhältlich ... 

Algernon Blackwood: Die Weiden, Frankfurt (Heinrich und Hahn) 2007.

DeLillo, Don: 'White Noise', New York (Viking), 1985, auf Deutsch erschienen unter dem Titel 'Weißes Rauschen' 

... Fortsetzung folgt.