Tod Browning: 'Dracula'



Bram Stoker hat 'Dracula' als prototypischen Vampir geschaffen, Tod Browning 'Bela Lugosi' als ebensolchen Dracula. – "I don't drink – wine." (Dracula)
 



Tod Browning: 'Dracula', USA 1931
[Film mit englischen Zwischentiteln in voller Länge]




Lars von Trier: 'Riget' ('Geister') – 21.11.2009


Unbedingt ansehen: Lars von Trier TV-Serie 'Geister' ('Riget') lehrt uns im Fürchten und jeder Menge Gothic-Klamauk das Mitleid – das Unheimliche verträgt, wie wir sehen, große Mengen Unsinn. 'Twin Peaks' plus 'Emergency Room' plus Dogma95. Damit kann man sich ein ganzes Wochenende prima amüsieren. Und Udo Kier ist natürlich sehr, sehr böse. Staffel 2 kann man sich auch ansehen, ist aber nicht mehr ganz so gut. – Achtung: Nicht verwechseln mit 'Kingdom Hospital', einem belanglosen Remake von Stephen King.





Ringethospital Kopenhagen, Foto: Henrik Jessen, Quelle: Wikipedia




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M. Night Shyamalans: 'The Village' – 15.11.2009


In M. Night Shyamalans Film 'The Village' ('Das Dorf') von 2004 ist Nicole Kidman nicht mit von der Partie, obwohl der Titel so klingt. Der Film spielt in einem isolierten Dorf Ende des 19. Jahrhunderts. Die Dorfbewohner werden von den im Wald lebenden 'Unaussprechlichen' bedroht und natürlich gibt es auch jede Menge schwelendes Unausgesprochenes und Verdrängtes – es geht hier im Blog schließlich um das Unheimliche. Die Story erweist sich letztlich als ein bisschen dünn und von einem reinen unheimlichen Film trennt diesen, dass er am Ende des Rätsels Lösung verrät. Bis dahin aber und ganz besonders bei den Szenen im Wald stirbt man fast vor Angst. Bei mir persönlich genügt ja in lebhafter Erinnerung an Nicolas Roegs 'Don't Look Now'('Wenn die Gondeln Trauer tragen') schon das Sichtbarwerden eines roten Mantels, um mich in Angststarre zu versetzen. – Ich hasse Rot! – Trailer 'The Village'





This color is forbidden. It attracts THEM.








Michal Waszynski: 'Der Dybbuk' – 8.11.2009


Michal Waszynskis filmische Adaption 'Der Dybbuk' (1937) von Salomon Anskis Stück 'Der Dibbuk' (1916) präsentiert sich aus heutiger Sicht in zweifacher Weise unheimlich, zum einen als Gruselfilm – ein Dibbuk ist ein Revenant, ein Wiedergänger aus dem Grab –, zum anderen aber auch als unheimliches Dokument der ausgelöschten ostjüdischen Kultur des Schtetls. Der Film ist im Original in jiddischer Sprache. Nicht nur für Fans des Unheimlichen ein wirklich sehenswerter Film.




Szene aus 'Der Dybbuk'



Totentanz-Szene aus 'Der Dybbuk'


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Tim Burton: 'Edward Scissorhands' – 1.11.2009


Der Tag nach Halloween, insbesondere wenn es sich um einen Sonntag handelt, ist der beste Tag im Jahr um Tim-Burton-Filme anzusehen. Unser Favorit: 'Edward Scissorhands' von 1990, in dem uns die eigentlich doofe, unter Burtons Regie aber brauchbare Winona Ryder im Zusammenspiel mit dem natürlich immer großartigen Johnny Depp die Kajalreste aus den schlecht abgeschminkten Smokey Eyes schwemmt und anwesende Kinder ganz nebenbei und pädagogisch wertvoll Respekt vor dem Anderen lehrt. ––– Als Surplus tattert sich hier Vincent Price würdevoll durch eine seiner letzten Rollen.






Tim Burton. (American, b. 1958)
Untitled (Edward Scissorhands). 1990.
Pen and ink, and pencil on paper, 14 1/4 x 9" (36.2 x 22.9 cm).
Private Collection.
Edward Scissorhands
© Twentieth Century Fox
© 2009 Tim Burton




Charles Laughton: 'Night of The Hunter' – 24.10.2009


In seiner einzigen Regiearbeit lehrt Charles Laughton ('Der Glöckner von Notre-Dame') den Zuschauer mit allen Mitteln der Filmkunst das Fürchten, sein Film ist ein schaurig-schönes expressionistisches Märchen, in dem Robert Mitchum den besten psychopathischen Prediger aller Zeiten gibt. Absolut originäre Filmsprache, bis heute ohne jede Abnutzungserscheinungen, fan- tastischer Soundtrack, traumhafte Bilder – einer meiner Lieblingsfilme.


 L-O-V-E 
 H-A-T-E 





'Night of the Hunter': Natur = lieb, Mensch = böse
Quelle: Wikipedia, Foto: Jozef Fiala







Tod Browning: 'Freaks' – 17.10.2009



  Monster sehen nicht aus wie Monster.  









Todd Browning: 'Freaks', USA, 1932 – ein humanistischer Horrorfilm, der einen unheimlichen Blick zurück eröffnet: in die Zeit, als man behinderte Menschen wie Zootiere in Site Shows präsentierte. Die Darsteller der 'Freaks' (von 'freak of nature': 'Laune der Natur' – der im 19. Jahrhundert gängigen Bezeichnung für Kleinwüchsige und Menschen mit Fehlbildungen) sind keine professionellen Schauspieler, sondern Laiendarsteller mit echten Fehlbildungen. 




Tim Burton: 'Vincent' – 15.10.2009


In seinem bezaubernden Frühwerk 'Vincent' (1982), einem Film auf der Grundlage eines eigenen Gedichtes, zeigt Tim Burton, dass eine unheimliche Gemütslage oder Mentalität nicht immer eine temorär-pubertäre Entgleisung ist, die sich später zur Genugtuung der Eltern wieder 'legen' oder 'verwachsen' würde, sondern dass eine Neigung zum Unheimlichen auch eine lebenslange Disposition sein kann – Burton selbst ist ja dafür das beste Beispiel.
 




Tim Burton

Vincent
(Tranksript des Gedichtes
aus dem gleichnamigen Flm)

Vincent Malloy is seven years old
He’s always polite and does what he’s told
For a boy his age, he’s considerate and nice
But he wants to be just like Vincent Price

He doesn’t mind living with his sister, dog and cats

Though he’d rather share a home with spiders and bats
There he could reflect on the horrors he’s invented
And wander dark hallways, alone and tormented

Vincent is nice when his aunt comes to see him

But imagines dipping her in wax for his wax museum

He likes to experiment on his dog Abercrombie

In the hopes of creating a horrible zombie
So he and his horrible zombie dog
Could go searching for victims in the London fog

His thoughts, though, aren’t only of ghoulish crimes

He likes to paint and read to pass some of the times
While other kids read books like Go, Jane, Go!
Vincent’s favourite author is Edgar Allen Poe

One night, while reading a gruesome tale

He read a passage that made him turn pale

Such horrible news he could not survive

For his beautiful wife had been buried alive!
He dug out her grave to make sure she was dead
Unaware that her grave was his mother’s flower bed

His mother sent Vincent off to his room

He knew he’d been banished to the tower of doom
Where he was sentenced to spend the rest of his life
Alone with the portrait of his beautiful wife

While alone and insane encased in his tomb

Vincent’s mother burst suddenly into the room
She said: “If you want to, you can go out and play
It’s sunny outside, and a beautiful day”

Vincent tried to talk, but he just couldn’t speak

The years of isolation had made him quite weak
So he took out some paper and scrawled with a pen:
“I am possessed by this house, and can never leave it again”
His mother said: “You’re not possessed, and you’re not almost dead
These games that you play are all in your head
You’re not Vincent Price, you’re Vincent Malloy
You’re not tormented or insane, you’re just a young boy
You’re seven years old and you are my son
I want you to get outside and have some real fun.

”Her anger now spent, she walked out through the hall

And while Vincent backed slowly against the wall
The room started to swell, to shiver and creak
His horrid insanity had reached its peak

He saw Abercrombie, his zombie slave

And heard his wife call from beyond the grave
She spoke from her coffin and made ghoulish demands
While, through cracking walls, reached skeleton hands

Every horror in his life that had crept through his dreams

Swept his mad laughter to terrified screams!
To escape the madness, he reached for the door
But fell limp and lifeless down on the floor

His voice was soft and very slow

As he quoted The Raven from Edgar Allen Poe:


“and my soul from out that shadow

that lies floating on the floor

shall be lifted?

Nevermore…”





Tim Burton: 'Vincent' [Film in voller Länge]



Dass die unheimliche Gemütslage nicht automatisch mit persönlicher Todessehnsucht einhergeht, sondern viel mit ästhetischem Vergnügen zu tun hat, bezeugt Vincents (Burtons) Verehrung für Vincent Price, der auch den Erzähler in 'Vincent' spricht. Tim Burton als Regisseur und Vincent Price bzw. als dessen legitimer Nachfolger Johnny Depp sind die Galionsfiguren eines ausgelassen-ironischen Umgangs mit dem Unheimlichen (... dem Tod) – eine Tradition, die 1787 mit William Beckfords Roman 'Vathek' begonnen hat.

 


The one and only Vincent Price





Peter Weir: Picnic at Hanging Rock – 13.10.2009




Der 'echte' Hanging Rock in Victoria, Australien,
(c) iStockphoto, Foto: Tamara Bauer



"What we see, and what we seem, are but a dream, a dream within a dream."



Peter Weirs Film 'Picnic at Hanging Rock' von 1975, deutsch: 'Picknick am Valentinstag', war die erste australische Produktion, die zu einem internationalen Erfolg wurde. Die Verfilmung von Joan Lindseys gleichnamigem Roman stellte die Kritiker vor arge Probleme der Genre-Zuordnung, denn für einen Horrorfilm schien ihnen das Ganze doch “zu sonnenbeschienen”.Die Handlung ist rasch erzählt: Am Valentinstag 1900 verschwinden bei einem Ausflug auf dem Hanging Rock – siehe Abbildung oben – drei Internatsschülerinnen und ihre Lehrerin. Eines der Mädchen taucht wieder auf, kann sich aber an nichts erinnern. Durch die mysteriösen Ereignisse beunruhigt, nehmen zahlreiche Eltern ihre Töchter von der Schule. Die Schulleiterin beginnt zu trinken und schickt ein Mädchen, dessen Schulgeld nicht bezahlt worden ist, ins Waisenhaus: Dieses Mädchen begeht Selbstmord. Die Direktorin wird einige Wochen später tot am Fuße des Hanging Rock aufgefunden. 'Picnic at Hanging Rock' ist keine klassische Filmerzählung, der Film erzählt keine Story, sondern ein Gefühl – er visualisiert und vertont das Gefühl des Unheimlichen. Zu diesem Zweck bedient sich Regisseur Peter Weir einer trügerisch-süßlichen Ästhetik vorpubertärer Unschuldserotik und romantischer Idylle: Bilder à la David Hamilton und die in den 70er-Jahren notorische Panflötenmusik von Gheorghe Zamfir, also ästhetisch Gewohnt-Gewöhnliches, in das er das Unheimliche wirkungsmächtig einbrechen lässt.



Ausschnitt aus 'Picnic at Hanging Rock'

 

'Picnic at Hanging Rock' ist eines der seltenen Beispiele eines 'reinen' unheimlichen Films, der ganz ohne Horrorelemente auskommt.




Traumazauberbaum – 9.10.2009



Ein Filmtipp für Kinder, die für jetzt und alle Zeit nachts einpullern und im Elternbett schlafen wollen:

(c) istockphoto, Foto: Spencer Hopkins






 "What is your name?" 
 "Satan." 










Gebrüder Lumières: Le squelette joyeux, Frankreich 1898
– unheimliche Motive zur heiteren Auslotung eines neuen Mediums





Robert Wiene: 'Das Cabinet des Dr. Caligari', Deutschland 1919
[Film mit englischen Zwischentiteln in voller Länge]





Friedrich Wilhelm Murnau: 'Nosferatu', Deutschland 1922
[Film mit englischen Zwischentiteln in voller Länge]



Zeitlos starke, atmosphärische
Bilder, darstellerisch eher quälend


Paul Leni: 'Das Wachsfigurenkabinett', Deutschland 1924
[Ausschnitt]


Robert Wiene: 'Orlacs Hände', Österreich 1924
– das Unheimliche der Transplantationschirurgie [Ausschnitt]





Todd Browning: 'Dracula', USA 1931
[Film mit englischen Zwischentiteln in voller Länge]






Victor Halperin: 'White Zombie', USA 1934
[Original in voller Länge]




Todd Browning: 'Freaks', USA 1932
[Original in voller Länge]




Das Unheimliche des Realen ...
menschliche Monster, monströse Menschen



Salomon Ansik: 'Der Dibbuk', Polen 1937 – Revenant-Film in jiddischer Sprache, aus heutiger Sicht vor allem wegen der in ihm 'wiederkehrenden', im Holocaust ausgelöschten ostjüdischen Kultur unheimlich [Ausschnitt aus dem Original]


Charles Laughton: 'Night of the Hunter', USA 1955 (dt.: 'Die Nacht des Jägers') - Märchen, das den Zuschauer das Fürchten lehrt [Ausschnitt aus dem Original]




Michael Powell: 'Peeping Tom', Großbritannien 1960 – das Unheimliche des Films [Ausschnitt]




Michelangelo Antonioni: 'Blowup', Großbritannien 1966 [Trailer] – das Unsichtbare fotografieren



Nicolas Roeg: 'Don't Look Now', (dt.: 'Wenn die Gondeln Trauer tragen'), Italien/Großbritannien 1973 [Trailer] – Unheimlich, durchgängig mit Millimeterabstand zum Horror; vor diesem Film wurde ich schon als Kind gewarnt, Zitat meine Mutter: "Wenn der Film noch mal im Fernsehen kommt ... schau ihn dir um Himmelswillsen nicht an! Ich konnte nächtelang nicht schlafen."



Peter Weir: Picknickt At Hanging Rock, Australien 1975 – unheimliche Atmosphäre par excellence [Ausschnitt]


David Lynch: Eraserhead, USA 1977 – Bilder und Sounds, die man gern im Unterbwusstsein belassen hätte



John Carpenter: The Fog [Ausschnitt] – das Unheimliche in Bild (Nebel!) und Ton, schlägt in der 2. Hälfte um in einen Horrorfilm; Doku über John Carpenter




Tim Burton: Vincent, USA 1982 – Plädoyer für den unheimlichen Lebensstil schon im Kindesalter




David Lynch/Mark Frost: Twin Peaks (TV-Serie), USA 1991-1992 [Intro] 




Lars von Trier: Riget (Hospital der Geister), Dänemark 1994 – Schwarzer Humor mit ethischem Tiefgang, technische Erweiterung des Unheimlichen durch 'Dogma95'-Kamera-Führung, motivische durch Etablierung des Spukhospitals [Originalintro mit englischen Untertiteln]




David Lynch: Lost Highway, USA 1997 [Ausschnitt]




Lars von Trier: Dogville, Dänemark 2003 [Trailer]



... Fortsetzung folgt.